


Projektbeschreibung
Amethyst ist ein Gemeinschaftsprojekt von fünf europäischen Institution aus dem Bereich Wein und Ressourcenmanagement mit dem Ziel kleineren und mittleren Weingütern den Einstieg in die Thematik prozessorientierter Energie- und Wasserverbrauch zu erleichtern.
Mit Hilfe einer auf einem Tabellenkalkulationsprogramm basierenden Software werden der betriebsbezogene Verbrauch an Strom, fossilen Brennstoffen und Wasser mit den betriebseigen Produktionsdaten verknüpft und auf einzelne Prozesse der Weinbereitung verteilt. Durch einen Vergleich der so gewonnen Daten mit einer fiktiven nach bester Praxis arbeitenden Weinkellerei kann die Energie- und Wassereffizienz des eigenen Betriebes eingeschätzt werden.
Amethyst bietet somit ein Einstiegsinstrument, mit dessen Hilfe Weinkellereien auf schnellem und einfachem Weg ihr Einsparpotential im Bereich Energie und Wasser bestimmen können und neben möglichen Ansätzen im Bereich des Klimaschutzes, der Ressourceneinsparung auch zur Kostenoptimierung ihren eigenen Betriebes beitragen können. Die Praxis hat gezeigt, dass dieses Einsparpotential in vielen Fällen um die 20 % ausmachen kann.
Warum Energie- und Wassereffizienz?
Der Zwischenstaatliche Ausschuss zu Fragen des Klimawandels (Intergovernmental Panel on Climate Change - IPCC) hat in seinem dritten Bericht (TAR) seine früheren Prognosen zum Ausmaß der Erwärmung bodennaher Luftschichten aufgrund des auf Treibhausgase zurückführbaren anthropogenen Treibhauseffektes nach oben korrigieren müssen.
Bei ungebremstem Ressourcenverbrauch könnte die Atmosphäre bis zum Ende des 21. Jahrhunderts um fast 6 °C wärmer werden.
Es ist nahezu sicher, dass sich das globale Klimasystem dadurch ändern wird. Aber selbst wenn wir Glück haben und der neue Zustand stabil ist, werden sich durch die daraus resultierende Verlagerung von Klimazonen und andere Auswirkungen der Temperaturerhöhung für die Menschen eine Reihe von Problemstellungen ergeben. Diese umfassen neben Aspekte wie Gesundheit, Biodiversität, Häufigkeit und Intensität extremer Witterungsereignisse, Wasserhaushalt/Wasserversorgung auch die verschiedenen Bereiche der Nahrungsmittelproduktion und somit auch den Weinbau.
Vor diesem Hintergrund des Klimaschutzes und der Tatsache der weltweit steigenden Energienachfrage, den daraus resultierenden anwachsenden Emissionen und den deutlich angestiegenen Energiepreisen gewinnt das Resourcenmanagement in Form von Energie- und Wassereffizenzsteigerung auch aus wirtschaftlicher, kostensenkender Sicht stetig an Bedeutung.
Welche Ziele verfolgt Amethyst?
Das Projekt Amethyst hat zum Ziel, der Weinbranche ein leicht zu bedienendes „Werkzeug" zur Verfügung zu stellen, mit dessen Hilfe eine schnelle Selbsteinschätzung des betrieblichen Energie- und Wasserverbrauches im Vergleich zu einer nach „guter fachlicher Praxis" arbeitenden fiktiven Weinkellerei möglich ist.
Mit Hilfe eines Tabellenkalkulationsprogrammes und der aus den betriebseigenen Strom-, Brennstoff- und Wasserrechnungen gewonnenen Basisdaten errechnet das Amethyst-Tool im Vergleich zu einer fiktiven Weinkellerei einen Energie- und Wassereffizienzindex, welcher sich an regionalen Klimadaten und verschiedenen Prozessschritten orientiert.
In einem zweiten Teil des Amethyst-Tool können Winzer Einsparmöglichkeiten einzelner typischer Energieverbraucher in Weinkellerei auf ihre Auswirkung hinsichtlich ihres Einsparpotentials ausgetestet werden, was bis zu 20% Einsparungen ausmachen kann.
Somit kann das Amethyst-Tool mit einer ersten Selbsteinschätzung als Standortbestimmung im Bereich der Resourceneffizienz angesehen werden und als notwendiger Einstieg in ein Energie- und Wassermanagement für die Weinbranche dienen.
Um welche Mengen geht es in Kellereien?
Um mögliche Einsparansätze im Bereich der Weinkellereien abschätzen zu können, ist es notwendig sich über die verbrauchten Mengen und die möglichen Verbraucher zu informieren.
Energiebedarf

Der Energiebedarf bei der Weinerzeugung im Bereich der Kellerwirtschaft hängt maßgeblich von den vom Weintyp bestimmten Verfahrensschritten, den von diesen benötigten Betriebsstätten, Anlagen und Maschinen ab. Weiter bestimmen der Verarbeitungsgrad, die Produktionsstufen (Fass- bzw. Flaschenwein) sowie die Betriebsstruktur bzw. -größe eine bedeutende Rolle. Zusätzliche Einrichtungen wie Raum- und Tankkühlung, Separieren, Erhitzen, Drucklufterzeugung, Warmwasser, Dampferzeugung oder ein unterschiedlicher Automatisierungsgrad sind charakterisitische Parameter, die die große Schwankungsbreite im Bereich des Energie- und Wasserverbrauchs erklären. So schwanken nach Müller, D. (2002) der Strombedarf zwischen 2 und 40 kWh/hL mit einem Mittel von 13 kWh/hL.
Der Verbrauch verteilt sich nach dem australischen Department of Industry, Tourism and Resources (ITR) (2003) und Müller, D. (2002) zu
- Kühlung 40-60%
- Pumpen, Gebläse, Motoren 10-35%
- Beleuchtung 8-20% Druckluft 3-10%
- andere Verbraucher (Traubenverarbeitung, Filtration) 3-15%
- Abfüllung und Verpackung 8-30%
Wasserverbrauch

Der Wasserverbrauch in Weinkellereien schwankt nach Huck, V. (2007) zwischen 3,5 und 7,5 L Wasser für einen Liter Wein. Adams, K. und O. Walg (1990) differenzieren nach dem Verarbeitungsgrad und erhalten 1,1 m³/ha für die Trauben (0,14 L/L Wein), 13,3 m³/ha für Faßwein (1,66 L/L) und 41,8 m³/ha für die Flaschenweinerzeugung (5,23 L/L). Die Brauchwassermengen verteilen sich nach Müller, D. (1995) zu rund 80% auf Reinigung und Desinfektion der Betriebsstätten, Anlagen und Geräte während der einzelnen Prozessschritte. Hinzu kommen eventuell eine Gärtankberieselung und Wasser zur Konservierung von Holzfässern.
Kennzeichnend für den Energie- als auch den Wasserverbrauch ist der typische Verbrauchsverlauf in Abhängigkeit der anfallenden Arbeit, so dass es zu Spitzenverbrauchswerten im Zeitraum September bis Januar kommt. In Abhängigkeit des 2. Abstiches und der Abfüllung lassen sich dann noch weitere kleinere Spitzen beobachten.
benutzte Literatur
Adams, K. und O. Walg (1990): Entsorgung weinbaulicher Abwässer. KTBL-Schrift 338, Landwirtschaftsverlag, Münster-Hiltrup.
Department of Industry, Tourism and Resources (ITR) (2003): A guide to energy efficiency innovation in Australian wineries. ITR 2003/73, Goanna Print Pty Ltd, Australien.
Huck, V. (2007): Maßnahmen zum nachhaltigen Umgang mit Wasser bei der Weinproduktion. Centre de Ressources des Technologies pour L‘Environnement (CRTE), Luxembourg.
Müller, D. (1995): Umweltverträgliche Reinigung und Desinfektion im Weinbaubetrieb. AID-1285/1995, Auswertungs- und Informationdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bonn.
Müller, D. (2002): Stromkosten: Wichtiger Faktor bei der Weinerzeugung - Wie viel Strom braucht der Wein? Das Deutsche Weinmagazin (10) 10-14.
Projektpartner
- gemeinsame Projekt-Homepage
- Ecofys Netherlands BV (coordinator)
- Chambre d’Agriculture de la Girone (CAG), France
- BestErgy Soluciones Energeticas (BestErgy), Spain
- Universita Cattolica del Sacro Cuore , Istituto di Enologia & Ingegneria Alimentare (ISENIA), Italy
Forschungsanstalt Geisenheim (FAG), Germany
Projektbetreuung
Fachgebiet Kellerwirtschaft
Maximilian Freund
Blaubachstr. 19
65366 Geisenheim
Tel.: 06722-502183
Mail: freund@fa-gm.de





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